Rechtliche Vorgaben zur Jagd mit Pfeil und Bogen (Deutschland & Baden-Württemberg)

Vielfach wird pauschal behauptet, Bogenjagd sei in Deutschland verboten.

Aber wie alle anderen Jagdrechtsausbilder versuche ich auch unsere angehenden JägerInnen dazu in die Lage zu versetzen, alle jagdrechtlichen Regelungen selbst nachschlagen zu können.

Und auch beim Thema Bogenjagd lohnt ein Blick in die relevanten Gesetze, das sind neben dem Bundesjagdgesetz auch die Landesjagdgesetze des jeweiligen Bundeslandes.

In unseren Jagdgesetzen sind dabei die sogenannten ‚sachlichen Verbote‘ von besonderer Bedeutung. Jedoch sind Jagdbehörden oft befugt, begründete Ausnahmen zuzulassen – so wie das aktuell in Brandenburg der Fall ist (https://mlul.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.624901.de).

Bundesjagdgesetz (BJagdG) § 19 Sachliche Verbote Absatz 1, Satz 1 liest sich folgendermaßen:

„BJagdG - § 19 Sachliche Verbote

(1) Verboten ist

  1. mit Schrot, Posten, gehacktem Blei, Bolzen oder Pfeilen, auch als Fangschuß, auf Schalenwild und Seehunde zu schießen;“

Dabei ist zu beachten, dass das Verbot mit Pfeilen zu schiessen sich explizit nur auf Schalenwild und Seehunde bezieht (letztere werden hierzulande ohnehin seit Jahrzehnten nicht mehr bejagt). Der Begriff Schalenwild bezeichnet die dem Jagdrecht unterliegenden wilden Huftiere, also Rehe, Wildschweine, usw.

Neben Schalenwild gibt es jedoch noch viele andere dem Jagdrecht unterliegende Wildtierarten, wie z.B. Hasen, Enten und Gänse. Nach dem Wortlaut des Gesetzes ist also die Jagd (bei Nicht-Schalenwildarten) mit Pfeilen nur der Jagd mit Schrot gleichgesetzt bzw. vergleichbar limitiert, und Schrot ist ja auch bei der Jagd auf Hase & Co. nicht nur erlaubt sondern sogar oft das Mittel der Wahl. Und an keiner weiteren Stelle im BJagdG findet sich die Worte ‚Pfeil‘ oder Bogen‘, also die sachlichen Verbote sind die einzige explizite Regelung zur Bogenjagd.

Soweit so gut, aber leider gibt es da noch den gut gemeinten, aber schwer fassbaren Begriff der ‚Weidgerechtigkeit‘. Dieser findet sich gleich am Anfang des BJagdG, aber ist wohl keineswegs so allgemein anerkannt, wie sich das liest. Das zeigen schon die Unterschiede in den verschiedenen Landesjagdgesetzen. Was in einem Bundesland erlaubt ist, kann im nächsten verboten sein.

„BJagdG - § 1 Inhalt des Jagdrechts

(3) Bei der Ausübung der Jagd sind die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit zu beachten.“

Und Verstösse gegen die Weidgerechtigkeit können sogar den Jagdscheinentzug zur Folge haben. Daher empfiehlt es sich derzeit die Bogenjagd auf genehmigte Ausnahmeregelungen zu beschränken.

Alternativ würde es helfen, wenn sich eine anerkannte Vereinigung der JägerInnen explizit für die Bogenjagd aussprechen würde, und damit die Frage der Weidgerechtigkeit eindeutig geklärt wäre.

Und zuletzt, die einzelnen Bundeländer können abweichende Regelungen zur Bogenjagd getroffen haben, also muss man sich zwingend das jeweils gültige Landesrecht im Detail anschauen.

In unserem Bundesland, Baden-Württemberg, gibt es mittlerweile ein eigenständiges Vollgesetz namens Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG), und das Bundesjagdgesetz ist damit mehr oder weniger nicht mehr relevant. Leider ist aber hier die Formulierung noch etwas ungünstiger:

„JWMG - § 31 Sachliche Verbote

(1) Verboten ist im Rahmen der Jagdausübung,

  1. auf Wildtiere mit Bolzen oder Pfeilen, Posten oder gehacktem Blei zu schießen,“

Der Wortlaut des JWMG umfasst damit sämtliche Wildtiere, also nicht nur Schalenwild. In Baden-Württemberg ist damit tatsächlich die Bogenjagd komplett verboten. Für den Einzelnen wäre damit die Bogenjagd nur im Rahmen von Ausnahmegenehmigungen möglich, begründete Anträge müssten vorab bei der zuständigen obersten Jagdbehörde gestellt werden (wie z.B. bei dem geplanten weiter oben erwähnten Pilotprojekt in Brandenburg, wenn Jagd in Bereichen notwendig sein sollte, in denen aber die klassische Jagd mit Schusswaffen aus Sicherheitsgründen nicht vertretbar wäre).

Mittelfristig ist aber zu hoffen, dass es in Baden-Württemberg landesweit pragmatische Regelungen zum Einsatz von Pfeil und Bogen geben würde, wie wir sie in diesem Bundesland bei der Verwendung von Schalldämpfern oder zur Reduktion der Wildschweinbestände vor dem Hintergrund der afrikanischen Schweinepest kennen.

Quellen:

Brandenburg Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Pressemitteilung 12.3.2019: https://mlul.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.624901.de (letzter Zugriff 10.4.2019)

Bundesjagdgesetz (BJagdG): https://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/ (letzter Zugriff 10.4.2019)

Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) für Baden-Württemberg: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&query=WildTManagG+BW&psml=bsbawueprod.psml&max=true (letzter Zugriff 10.4.2019)